Preiskalkulation im Modehandel: So rechnest du richtig

Ob deine Boutique Gewinn macht, entscheidet sich nicht an der Kasse, sondern beim Kalkulieren. Viele Händler setzen ihre Preise „nach Gefühl“ – und wundern sich am Jahresende. Hier ist die Preiskalkulation für Modehändler, einfach erklärt.

Die Grundformel: der Kalkulationsfaktor

Im Modeeinzelhandel ist ein Kalkulationsfaktor von 2,5 bis 3 üblich: Einkaufspreis mal 2,5 bis 3 ergibt den Verkaufspreis (inkl. MwSt.). Ein Teil, das im Einkauf 10 € kostet, hängt also für 25 bis 30 € im Laden.

Das klingt nach viel? Ist es nicht. Vom Aufschlag bezahlst du: Mehrwertsteuer, Miete, Strom, Verpackung, Werbung, dein Gehalt – und die Teile, die du am Ende reduziert oder gar nicht verkaufst.

Abschriften: der vergessene Kostenblock

Nicht jedes Teil geht zum vollen Preis raus. Sale, zweite Wahl, Ladenhüter – im Schnitt verlierst du dadurch spürbar Marge. Profis kalkulieren das von Anfang an ein: Wenn du weißt, dass du etwa ein Fünftel der Ware reduzieren wirst, muss der Rest das mittragen. Der beste Schutz gegen Abschriften ist übrigens kluger Einkauf: kleine Mengen, schnell nachlegen – dann bleibt weniger liegen.

Mischkalkulation: nicht jedes Teil gleich rechnen

  • Frequenzbringer (Basics, Accessoires): knapper kalkuliert, dafür hohe Drehung – sie bringen Kundinnen in den Laden. Accessoires sind ideale Zusatzverkäufe an der Kasse.
  • Imageträger (besondere Einzelteile): dürfen mehr Marge tragen – wer das Teil liebt, vergleicht keine Preise.
  • Aktionsware: bewusst scharf kalkuliert für Aktionen, Lives und Schaufenster.

Beispielrechnung

Du kaufst 10 Kleider für je 12 € ein (120 € Wareneinsatz) und verkaufst sie für je 34,90 €:

  • 8 Stück zum vollen Preis = 279,20 €
  • 2 Stück im Sale für 19,90 € = 39,80 €
  • Umsatz gesamt: 319 € – Wareneinsatz 120 € = 199 € Rohertrag, aus dem alle Kosten bezahlt werden.

Rechne so jede Order einmal durch – es dauert zwei Minuten und schützt dich vor Preisen, die sich „richtig anfühlen“, aber Verlust bedeuten.

Staffelpreise nutzen

Im Großhandel sinkt der Stückpreis oft mit der Menge. Aber Vorsicht: Eine größere Staffel lohnt nur, wenn du die Menge auch verkaufst. Ein niedrigerer Einkaufspreis nützt nichts, wenn die Hälfte im Sale endet. Im Zweifel: kleinere Menge, voller Preis, schneller Abverkauf.

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